Musizieren, singen und die Selbstwirksamkeit

Bei einem Vortrag des Hirnforschers Gerald Hüther, der erfrischend offen und alles andere als aus dem Elfenbeinturm referierte, ging es unter anderem um das Konzept der Selbstwirksamkeit. Demnach ist die Selbstwirksamkeit eines der wichtigsten Ziele und damit fundamentalen Triebkräfte sinnvoller Erziehung.

Die Selbständigkeit von Kindern bzw. genau genommen von Menschen im allgemeinen fußt auf der Selbstwirksamkeit. Das ist so etwas wie die eigene Prognose darüber, inwieweit ich aufgrund meiner Fähigkeiten selbsttätig bestimmte Ziele erreichen kann. Die Wissenschaft scheint zu bestätigen, dass Menschen, die einen starken Glauben an die eigene Kompetenz haben, eine größere Ausdauer entwickeln für die Bewältigung der vorgenommenen Aufgaben. Damit einheer geht eine weniger starke Disposition für Depressionen oder Ängste. Ebenso korrelieren größere Erfolge im Leben.

Geschult werden könne die Selbstwirksamkeit gemäß Hüther sehr einfach durch das Singen und Musizieren. Die Art wie Musik die eigenen Sinne und die Nutzung von Stimmbändern, dem eigenen Gehirn und auch der zwischenmenschlichen Koordination schule, sei einzigartig. Es sei sehr schade, dass im gesellschaftlichen Kontext das gemeinsame Singen immer weniger praktiziert bzw. zeitgeistlich für passend empfunden werde. Damit gehe sogar eine kollektiv zu beobachtende Schrumpfung der Stimmbänder einher, so Hüther weiter. Ergo: Wem die Hirn-Entwicklung seiner Kinder am Herzen liegt, kann – nicht krampfhaft und immer spielerisch – versuchen diese zum Singen zu animieren. Beziehungsweise derartige Ambitionen der Kleinen zumindest nicht unterbinden.

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